Die Waschnuss

Die Waschnuss

Herkunft der Waschnüsse

Waschnusse sind die Frucht des Waschnussbaums (Sapindus saponaria), der in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens wächst, wo Waschnüsse bereits seit Jahrhunderten zum Waschen verwendet wird.
Als Frucht am Baum hat die Waschnuss eine orangene Farbe und ist ziemlich klebrig. Nach der Ernte im Spätjahr werden die Waschnüsse getrocknet. Durch die Trocknung ist die Waschnuss nicht mehr klebrig und hat eine rotbraune / dunkelbraune Farbe angenommen.
Das eigentliche Geheimnis der Waschnüsse steckt in der Schale: Diese besteht nämlich bis zu 15% aus sogenannten “Saponinen” (lat. sapo = “Seife”). Diese Saponine bilden, wenn sie im Wasser bewegt und geschüttelt werden, einen seifenartigen, stabilen Schaum. Der innere, schwarze Kern der Waschnüsse ist hingegen weder zum Waschen noch für den Verzehr geeignet.

Praktische Anwendung der Waschnüsse

Waschnüsse sind auch in Europa unter dem Namen “Waschnuss“, “Seifennuss” oder “Reetha” erhältlich und sind, da ein Naturprodukt, auch für Allergiker und Neurodermitis-Patienten zum Waschen geeignet. Sie werden hauptsächlich zum Waschen von Wäsche verwendet, und im Gegensatz zu den handelsüblichen Waschmitteln schonen sie die Textilfasern und Farben Ihrer Wäsche. Die Verwendung einer Waschnuss ist sowohl umwelt- als auch hautfreundlich.

Wie wäscht man Wäsche mit einer Waschnuss?

Zunächst benötigen Sie einige Waschnuss-Schalen. Diese werden normalerweise mit kleinen Stoffsäckchen geliefert. Füllen Sie das Säckchen mit 4-6 halben Waschnuss-Schalen. Verknoten Sie es gut, damit das Säckchen beim Waschen nicht aufgeht und platzieren Sie es in der Waschmaschine zwischen der Wäsche. Starten Sie dann ganz normal den Waschgang.

Waschnüsse sind grundsätzlich für alle Temperaturen geeignet. Bei höheren Temperaturen weichen die Waschnuss-Schalen stark auf, so dass sie nach dem Waschgang entsorgt werden müssen. Wird nur bei niedrigen Temperaturen gewaschen, können die Waschnuss-Schalen mit der Wäsche getrocknet und später für einen weiteren Waschgang verwendet werden.

Waschnüsse können so für 2-3 Waschgänge verwendet werden. Um zu testen, ob die Waschnuss-Schalen noch einmal benutzt werden können, drücken Sie sie nach dem Waschgang leicht zusammen. Können Sie eine weiße, seifenartige Lauge herauspressen, können Sie die Waschnuss noch für einen weiteren Waschgang verwenden. Schäumen sie nicht mehr, können die Waschnuss-Schalen auf dem Kompost entsorgt werden.

Beim Waschen mit Waschnüssen muss allerdings beachtet werden, dass diese während des gesamten Waschvorgangs, also auch während der Spülgänge, Wirkstoffe an das Wasser abgeben, die dann in die Wäsche gelangen. Daher können diese Wirkstoffe durch eine Maschinenwäsche nicht vollständig aus der Wäsche entfernt werden. Falls diese Wirkstoffe eine Reizwirkung für den individuellen Allergiker entfalten, sollten die Waschnüsse vor dem letzten Spülgang aus der Trommel entfernt werden (Spülstopp-Taste betätigen, Wasser abpumpen lassen und dann das Säckchen mit den Waschnüssen entfernen). So können beim Spülen keine Wirkstoffe mehr ins Wasser gelangen.

Wirksamkeit der Waschnuss-Schalen

Die Waschnuss besitzt außer dem seifenähnlichen Stoff Saponin keinerlei weitere Zusatzstoffe, daher muss der Wäsche bei Bedarf zusätzliches Bleichmittel, Wasserenthärter oder Dufstoffe, z.B. in Form ätherischer Öle, beigegeben werden.

Die Waschwirkung von Waschnüssen bleibt hinter der handelsüblicher Waschmittel zurück. Dies kann jedoch ausgeglichen werden, indem Sie vorhandene Flecke vor dem Waschgang mit Gallseife behandeln.

Der Duft

Mit Waschnüssen gewaschene Wäsche ist duftneutral, d.h. sie riecht nicht. Möchten Sie Ihre Wäsche duftend, müssen Sie einen entsprechenden Zusatz in die Waschmaschine geben.

Vorteil der Waschnüsse

Das in den Waschnüssen enthaltene Saponin gilt als umweltverträglich und belastet daher das Abwasser nicht. Die verbrauchten Waschnüsse können im normalen Hausmüll entsorgt oder sogar kompostiert, da sie biologisch abbaubar sind. Und natürlich lösen Waschnüsse keine allergischen Reaktionen aus, weshalb sie für Allergiker sicher eine Alternative sein können.

Das Saponin ist den Fasern gegenüber weniger aggressiv, da keine Bleichmittel oder Weichmacher beigesetzt sind. Waschnüsse haben dennoch einen “Weichspüler-Effekt”, und die Kleidung ist nach der Wäsche geschmeidig und weich.

Waschnüsse für die Haare

In Indien werden Waschnüsse traditionell auch zum Waschen der Haare verwendet. Dazu muss aus den Waschnüssen ein Sud hergestellt und das Saponin ausgekocht werden. Menschen, die Waschnüsse als Shampoo-Ersatz verwenden, schwören darauf. Bei der Anwendung von Waschnüssen fettet das Haar angeblich deutlich weniger und es lässt sich leichter kämmen.

Gegenstimmen

Waschnuss-Kritiker bemängeln, dass sich die “Natürlichkeit” der Waschnuss in Grenzen hält, denn die waschaktiven Saponine seien nicht leichter biologisch abbaubar wie die Tenside, die in handelsüblichen Waschmitteln enthalten sind. Zudem fehlen Enzyme und Bleichmittel, so dass Textilien nach einigen Wäschen vergraue. Durch das Fehlen jeglicher Entkalker müsse – zumindest bei “hartem”, also stark kalkhaltigem Wasser, zusätzlich ein Wasserenthärter in die Waschmaschine gegeben werden, um eine Verkalkung zu verhindern.

Fazit

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er der Waschnuss eine Chance gibt oder nicht. Unbestritten ist die Waschkraft der in der Waschnuss-Schale enthaltenen Saponine. Viele Befürworter der Waschnuss nutzen die Schalen auch für die Körperhygiene, zum Waschen der Haare oder im Haushalt zum Reinigen von Gold- und Silberschmuck oder teilweise auch für die Spülmaschine.
Eine große Erleichterung ist die Waschnuss definitiv für Allergiker und Neurodermitis-Patienten, denn die Waschnuss ist zu 100% natürlich und frei von chemischen Zusatzstoffen.

Zu den Waschnüssen und Waschnuss-Produkten

Waschnüsse im Test

Die Stiftung Warentest hat aktuell Waschnüsse getestet – leider mit enttäuschendem Ergebnis.

Vom Grundsatz her sollen Waschnüsse Textilien besonders umwelt­schonend waschen und als Natur­produkt die gängigen Wasch­chemikalien ersetzen. Laut dem Testergebnis ist dies nicht gelungen. Die Stiftung Warentest ließ Waschnussschalen und Rosskastaniengranulat gegen ein herkömmliches Waschmittel antreten. Die mit den beiden Vertretern natürlicher Waschmittel gewaschenen Textilien waren nach der 20 Wäsche stark vergraut, wobei hier die Waschkastanien noch schlechter abschnitten als die Waschnüsse.
Der Fleckentest ging ebenfalls deutlich zu Gunsten des herkömmlichen Waschmittels aus: Weder Kastanien noch Waschnüsse schafften es, alltägliche Verschmutzungen bei einer 40 Grad Wäsche aus den Textilien zu entfernen. Das liegt nach Angaben der Stiftung Warentest an den fehlenden schmutz­knackenden Enzymen und fett­lösenden Tensiden, die jedes “normale” Waschmittel besitzt.

Fazit: Leider konnten die natürlichen Waschmittel nicht überzeugen. Sogar die Ökobilanz der Waschnüsse und -kastanien ist schlechter als die eines herkömmlichen Waschmittels, da man mit Waschnüssen mehrermals wäschen muss, um Flecke einigermaßen zu entfernen. Das kostet sowohl zusätzlich Wasser als auch Energie – und damit geht auch in Sachen Ökobilanz der Punkt an das herkömmliche Waschmittel.